EINBLICKE

In mein Leben. In mich.

  • Klaus

Thailaendischer Inseltraum




Dort wo andere ihre Yogaübungen machen schreibe ich. Den Blick in die Ferne gerichtet. Kräftige Farben zieren dieses pittoreske Bild. Smaragdgrünes Meer, knapp dran an meiner Lieblingsfarbe türkis. Weiße Schäfchenwolken tummeln sich am azurblauen Himmel und dass es so unterschiedliche Grün-Töne gibt, wie sie sich hier in die Dschungeloptik einweben, war mir bisher entgangen.

Schreibretreat mit mir in Koh Phangan, verwunschenes wildromantisches Inselidyll im Süden Thailands. Zum fünften Mal hier. Unsere Liebe nützt sich nicht ab. Beim ersten Besuch 2004 ins Herz geschlossen, von da an nicht mehr losgelassen. Du bist die Fusion aus sanftem Yoga und wilder Party, aus Detox-Resort und hoch toxischen Full Moon Parties, aus Kitesurfen und Strandromantik, aus archaischem Wasserfallbad und würzigem Thai-Kochkurs.

Du deckst für mich 360 Grad ab. Bei dir habe ich das Gefühl aus dem Vollen zu schöpfen. Ich bin dir verfallen.


Deine Gäste bringst du fast ausschließlich in Bungalows unter, die im Einklang mit der Natur entstanden sind. Der traditionelle Stil wird stets gewahrt. Palmen dürfen aus der Terrasse wachsen und werden liebevoll in das Wohnen integriert. Felsen ersetzen immer wieder mal einen Mauerteil.




Vom Meer angespülte Muscheln, Korallen, Blumen, verwobene Palmenblätter und viele andere Naturmaterialien garnieren die Behausungen.



Organisches Bauen, wenn es diesen Begriff gibt.

Schon als ich nach der Landung auf die Fähre gewartet habe und sehnsüchtigst zu dir herübergesehen habe, gings los! Womit? Mit dem Schreiben!



Im Juli letzten Jahres habe ich beschlossen ein umfangreiches Schreibprojekt zu starten. Lange Zeit aufgeschoben. Nun ist es so weit. Fast! Nur noch diesen Blog fertigschreiben, dann....

Es erinnert mich ein wenig an die Schulzeit und den Umgang mit Hausaufgaben und Lernzeiten. „Ich starte gleich, vorher muss ich noch... schauen was es im Kühlschrank Neues gibt... aus dem Fenster sehen wer da am Beton im Freien einen Ball so schwungvoll aufpäppelt... meinen Bruder im Zimmer nebenan besuchen und ihn fragen wie es ihm mit seinen Aufgaben geht... Mama interviewen was es heute Abend zu essen gibt und.... Vieles mehr. Es könnte losgehen, den richtigen Platz hab ich gefunden, bzw. er mich.

Ins Blaue ohne Reservierung hierhergereist, die ersten fünf Buchten auf meinem Wanderweg die Ostküste entlang waren ausgebucht. Hier in Why Nam gabs zwar auch keinen Bungalow mehr, dafür eine freie türkise Matratze auf der Dorm-Gemeinschafts-Freiluft-Terrasse.



40 musste er werden bis er endlich mal den Dorm-Schrecken ablegt. Oder doch nicht? Ich bin neugierig was sich durchsetzen wird. Der Jetlag? Das Unwohlsein neben (noch) wildfremden Menschen im Freien auf einer Terrasse zu schlafen? Oder doch die spürbare Müdigkeit in den Knochen der letzten intensiven Wochen? Was macht das Gefühl mit mir keine Rückzugsmöglichkeit zu haben? Wie lange wird’s dauern bis ich mich an das laute nächtliche Wellenschlagen an der Brandung gewöhnt habe? Ich werds rausfinden. Das Gute daran ich kann keinen Zimmerschlüssel verlieren!

Kurz nach 6h morgens dämmere ich der Dämmerung entgegen. Sanftes Erwachen. Rechts von mir, hinter mir und schräg vis a vis wird noch geschlummert. Ich genieße den Morgenzauber.



Die Bucht vor mir in kräftiges Goldgelb getaucht, Wellenrauschen im Ohr und eine weiche Matratze unter mir. Die Bucht schläft noch. Ich nicht mehr. Rauf auf den Hügel zur Yoga-Plattform mit Postkartenausblick.



Ich missbrauche den Yogaplatz für mein Workout bevor ich ebenfalls in der Dehnung und in meinen ausgewählten Yogapositionen verweile, ehe ich mir den morgendlichen Tropenschweiß im Meer von der Haut spüle. Salzwasser zu Salzwasser. Badewannengefühl. Nur ohne Schaum. Dafür mit zarten Morgenwellen. Ein paar Schwimmtempos hinaus zur Boje die dort treibt. Ich kralle sie mir unter die Brust und lass mich tragen. Manchmal richte ich den Blick aufs offene Meer, manchmal fällt er von alleine auf die malerische Bucht. Je nachdem wohin Strömung und Wellen mich wenden. Ich komme mir vor wie ein Wetterhahn, der von den Naturkräften seine Blickrichtung verordnet bekommt. Die Bucht erwacht. Die ersten gähnenden und sich streckenden Terassenschläferkollegen blinzeln der Sonne entgegen. Ich schwimme dem Horizont entgegen und spüre wie Seeligkeit und Verbundenheit in mir aufsteigen.



Sie war besser als gedacht die erste Nacht. Alles fein bis auf die Duschen, die sind nicht ganz lecker. Ich beschließe das Duschen aufzuschieben auf unbestimmte Zeit. „Die Menschheit hat Jahrtausende ohne Seife sehr gut überlebt, da werd ichs doch ein paar Tage schaffen“ sag ich mir selbst um meine Entscheidung vor mir rechtzufertigen und starte mit Erkundungswanderungen.

Meine New Balance tragen mich über verschlungene Dschungelpfade.



Alles in Balance. Rechts rauschende türkise Wasserdynamik, links tiefgrünes Palmenblätterrauschen. Ein ästhetischer Augenschmaus.

Wenn es nach Dead End aussieht taucht stets plötzlich und verlässlich ein Bretterverschlag im Hendlleiter-Stil auf, und die Wanderung kann weitergehen.






Hin und wieder lädt mich eine vormontierte Hängematte zur Rast ein.




Dann wieder passiere ich ein handgemachtes Labyrinth, der Spirit der Insel ist einzigartig.



Ich mag das Potpourrie an Menschen hier in der kleinen Bucht. Nur per Boot erreichbar. Ein Hauch von Leonardo’s „The Beach“ liegt in der Luft. Der Menschenmix hier macht es bunt.

Südamerikanischer Bodenturner & Artist, Britischer Aristokrat William, American Girl Jessy Lu und ihre Modell-Girlie-Gang, Lebenskünstler Peter der mit seiner Hängematte verwachsen scheint, Johnny der englische Ex-Manager und jetziger Yoga-Teacher im The Sanctuary der Nebenbucht und der rot weiß rote Hobby-Schriftsteller, der Ernest Hemingway von Kaisermühlen. Nicht nur seelischer, auch körperlicher Patriot ist er. Als er am Abend des 2. sonnencremfreien Tropen-Badetags sein Hoserl auszieht, ist es klar zu erkennen:

rot – weiss – rot!

Mir fällt auf, dass Badekleidung hier überflüssig ist, trägt fast keiner. Ich schließe mich an, nahtlose Bräune das Ziel, vorerst noch Röte. Bei der Überlegung, warum diese Bucht mit all ihren facettenreichen Menschen so eine tolle Energie hat, komme ich auf einen gemeinsamen Nenner. Jeder hier strahlt eine große Bewusstheit aus. Es riecht nach ausgeprägter Individualität. Selten so viele höchst interessante Charaktere auf so wenigen Quadratmetern erlebt. 6 Tage ohne auch nur ein böses oder lautes Wort. Ein Nährboden für gute Gespräche und schöne Momente mit einer riesen Portion Quality Time. Es ist vollkommen unvorhersehbar, wann was passiert. Manchmal beginnt um 3h nachmittags ein DJ unterm Sonnenschirm uns mit Reggae-Beats zum Vibrieren zu bringen, manchmal ist es den ganzen Tag über vollkommen Still und es rekeln sich maximal 3 Leute in der Bucht, dann wieder tanzen Jessy Lu’s Girls im Burlesque-Kostüm durch den Sand und zelebrieren mit Ihren Fächern eine Choreographie, die an das neckische Liebesspiel einer Zitronenfalter-Kolonie erinnert, manchmal wird einfach gechillt und manchmal wird die Welt verbessert, zumindest verbal.

Die Schweizerin Nadja betreibt ein Sommer-See-Restaurant. Während ihr See zugefroren ist überbrückt sie den schweizer Winter in Thailand. Als sie sich trotz anhaltender Duschabstinenz zu mir gesellt fällt mir auf, dass sie nur gesunde Säfte und Tee trinkt. Auf die Frage ob sie detoxt meint sie mit schweren Ringen unter den Augen: Tox – Detox – Tox – Detox..... und pendelt damit ihren Kopf von links nach rechts nach links und wieder zurück. Das entlockt mir ein Lächeln und erinnert mich an einen Shirt-Aufdruck den ich gleich nach meiner Ankunft erspäht hab.



Rund um mich wird Bier, Wein & Härteres getrunken. Ich habe null Lust auf Alkohol. Ich faste. Das ist nicht immer so. Hier schon. Ich ziehe es vor bei mir und meinen innersten Gefühlen zu bleiben statt sie zu betäuben. Und sie in Worte zu gießen. Das Schreibprojekt geht stetig voran. Ich bin froh, die lang gehegte Schwelle des Beginns nun endlich überschritten zu haben. Buddha hat gemeint es gibt zwei Fehler, die man auf seinem Weg zur Wahrheit machen kann: nicht den ganzen Weg gehen, und nicht zu beginnen. Begonnen hätte ich, nun geht’s ums Dranbleiben und die Vollendung.

Das einzige was mir an dieser magischen Bucht nicht ganz zusagt, ist das Fehlen von Stühlen. Wie Kriechreptilien lümmeln und robben wir den ganzen Tag bodennahe durch die Gegend. Egal ob beim Essen oder beim Schreiben am Notebook, ich sitze stets irgendwo am Boden und irgendwo angelehnt. Soviel Yoga verträgt mein Körper gar nicht um all diesen Sitzschmerz zu kompensieren. Deshalb such ich mir von Tag zu Tag andere Schreibplätze in anderen Buchten aus.



Unterschiedliche Orte lösen unterschiedliche Inspirationen aus. Es lebe der Perspektivenwechsel. Während der Woche kristallisiert sich dieser feine Platz als Favorit für mich heraus. Viele Stunden und unzählige Lemon-Mint-Juices lang verbringe ich schreibend an diesem Kraftort.



3. Morgen. Höllische Kopfschmerzen. Wie gemein! Der Hypochonder in mir diagnostiziert einen Mix aus Malaria, Dengue-Fieber und einer Gehirnhautentzündung als Folge der letztjährig verpassten FSME-Impfung. Die Hangover-Opfer von gestern leiden bei weitem nicht so wie der rot-weiß-rote Detoxer. Ich quäle mich durch mein morgendliches Workout und muss es in der Hälfte abbrechen. Ab ins Reptiliengehege, sprich in die Taverne. 2 Kokosnüsse und einen halben Liter Lemon-Mint-Juice später plötzlich: Feuer aus! Schmerz adieu! Dehydriert war er also, zu wenig getrunken. Wäre bei De-Detox nicht passiert.

Die Geschichte mit dem Massenmatratzenlager habe ich mangels Optionen erstmals nur für eine Nacht gebucht. Nach der ersten Nacht und dem erfolgreichen Ablegen meiner Dorm-Phobie hab ich auf 4 Nächte erhöht. Ich genieße es wahrlich im Freien auf einer Terasse mit lieben Terrassenkollegen zu schlafen. Beim gemeinsamen Frühstück, dass ich nicht einnehme, weil ich meist erst Nachmittags mit einem Fastensalat mit der Nahrungsaufnahme starte, plaudert es sich viel leichter wenn man davor eine Nacht miteinander verbracht hat. Nach 4 Nächten erhöhe ich sogar auf 6 Nächte, man könnte sagen: Hole in! Die Sache hat nur einen Haken. Ich muss von der türkisen auf die rote Matratze 2m weiter übersiedeln und bekomme einen Rabatt.



Plötzlich zahle ich statt 6,- EUR pro Nacht nur mehr 4,- EUR pro Nacht. Ich frage neugierig nach dem Hintergrund der Preisreduktion. Mengenrabatt vermute ich. Weit gefehlt! Meine Augen öffnen sich sehr weit als ich die Antwort mitgeteilt bekomme: „You know Santa Claus (den Namen hab ich ihnen unterstreichend mit meiner roten Badehose mit weißem Saum als Eselsbrücke in den Kopf gesetzt) the red mattress is the very first one when you enter the terrace. If it rains, rain also falls on the mattress. And when people come home drunk at night that’s the first item they very often fall over…”

Ich bedanke mich für die Information und achte die nächsten beiden Abende beim Zähneputzen genau darauf, wieviele der Nachbarschaftsmatratzen noch keinen Schläfer oder Schläferin vorweisen um ein Gefühl der Wahrscheinlichkeit von nächtlichen Niederschlägen zu bekommen. Beim Einschlafen selbst, das auf der roten Matratze plötzlich nicht mehr ganz so einfach fällt wie auf der türkisen, grüble ich ob meine Hagelversicherung etwaige nächtliche Niederschläge und daraus resultierende Körperveletzungen (auf beiden Seiten) bezahlen würde. Vollkommen unnötiges Kopf-Wirrwarr! Angesagte Krisen finden nicht statt! 2 niederschlagsfreie und trockene Nächte später heisst es Ortswechsel.

Die Bootsanreise vor einer Woche war mir zu spektakulär, ich bevorzuge den Dreistunden-Track durch den Dschungel zurück in die Zivilisation. Das Cocohut Resort am Leela-Beach beschert mir ein Duscherlebnis der ganz besonderen Art. Showerfasting has ended. Ich erwarte meinen zu mir stoßenden treuen Reisegefährten Andreas. Er wird mich in der 2. Thailand Woche unterstützen. Unsere erste Mopedtour wird von Ost nach West gehen, one of my favorit places: Secret Beach. Das letzte Mal als ich hier war hab ich mich köstlichst amüsiert. Bis auf eine kleine Taverne weit und breit nichts. Die Taverne heißt, wie kann es am Secret Beach auch anders sein, Secret Bar. Mein Handy zeigt das WLAN mit dem Namen „Secret“ an. Als ich den Kellner nach dem Passwort frage, sieht er sich links und rechts in geheimer Gangster-Manier um ob uns eh niemand belauscht, führt den Zeigefinger zum Mund als würde er ein thailändisches „Pscht“ machen und flüstert mir ins Ohr: „very secret“ und geht kichernd davon. Ich probiere es aus und siehe da, ich habe das Geheimnis geknackt, Passwort korrekt, der WLAN-Sesam öffnet sich. Ich liebe thailändischen Humor.

Das Solo-Reisen geht nun zu Ende. Mal sehen wo die Reise zu zweit hinführt. Was ich neben schönen Erinnerungen, lieben Bekanntschaften und einem Sonnenbrand noch mitnehme ist die Weisheit einer herabgefallenen Kokosnuss.



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