EINBLICKE

In mein Leben. In mich.

  • Klaus

magisches namibia

Ein Schotterband erstreckt sich vor uns bis es am Horizont verschwindet, einen Schal aus Staub ziehen wir in unserem Geländewagen hinter uns her. Endlose Weite rund um uns. Die Fenster geöffnet, den Fahrtwind im Haar, die Sonne auf der Haut, Westafrikanische Klänge im Ohr und Leichtigkeit samt großer Freude im Herzen. Ziel erreicht. Unterwegs sein. Auf den Schotter- und Sandpisten quer durch Namibia. Stehenbleiben unerwünscht. Die Staubfahne würde uns einholen, der Feuerball über uns ließe uns verdorren. Wüste: Die Spuren die wir im tiefen Dünen-Sand hinterlassen werden schon in der nächsten Nacht vom Winde verweht sein. Die Spuren die das Wüstenerlebnis in mir hinterlässt wird für immer wie ein schönes Tattoo in meiner Seele verewigt.

Ich schaue in den Rückspiegel, ein gesundheitlich mehr als durchwachsener Winter liegt hinter mir, Weihnachten war recht traurig, Silvester reihte sich in diese Analogie gut ein und der Job samt Hausbau-Koordination verschlangen die restlichen wenigen Kräfte. Der Kopf voll, der Akku leer. Da kam Namibia grad recht.

Das Buch „Goldstaub über der Wüste“ war vor vielen Jahren die Initialzündung zu meiner innigen Liebe zur Wüste. Mit dem Gelände-LKW durchquerte ich die Wahiba Sands im Oman. 7 Tage in denen sich abseits von Trubel und menschlichem Treiben vieles klärte, in mir, wie der Sand der sich mit der Zeit im Wasserglas setzt und Klarheit im Wasser zulässt. Genauso fühlt es sich auch jetzt an. Klarheit, nichts zu viel, nichts zu wenig.



Ich frage die Ameise die mir über die Hand krabbelt: „Wo bekommst du denn dein Wasser zum Überleben her in dieser unwirtlichen Umgebung?“ Sie hält kurz inne und trägt danach ihr Geheimnis weit raus in die von Goldstaub überzogene Hügellandschaft.

„Warum übt diese unwirtliche und zugleich bizarr-bezaubernde Landschaft so eine Faszination auf mich aus?“ frage ich mich als ich hypnotisiert meine große Liebe studiere. „Ist es die Reduziertheit auf das Wesentliche?“ grübelt der Purist in mir. „Ist es die Abwesenheit von Menschen und somit das Unverdorbene?“ fragen sich Misanthrop und Ästhet in mir gleichzeitig. Ich habe keine Zeit mehr zum Schwelgen und Tagträumen, meinem treuen Gefährten, Cousin und zugleich treuem Reisebegleiter Andreas, wird heiß und er bittet liebevoll um den Abstieg. Wie Schulkinder im frisch gefallenen Schnee tollen wir im kniehohen Sand dünenabwärts. Ich spüre wie mein Herz sich vergrößert, aufgeht, wild herumhüpft und am liebsten durch die Weite des Anblicks hüpfen würde. Zum Glück bleibt es in meinem Brustkorb und gemeinsam nähern wir uns dem Salzsee am Fuße der angeblich höchsten Düne der Welt, Big Daddy.

Dort angekommen spazieren wir über die weiße Salzkruste die unwirklich wie aus einer Filmkulisse wirkt. Doch sie ist echt. Und das schon seit über 500 Jahren. Ein ausgetrockneter See. Wir schreiten darüber und bewegen uns auf die Arme-emporstreckenden Geschöpfe am Ende der ausgetrockneten Kruste zu. Vor Urzeiten verdorrte Akazien-Bäume begrüßen uns in dem sie ihre Arme zum Himmel ragen lassen, wie sie es seit Jahrhunderten tun. Ich muss mich in den Schatten eines Baumes setzen um zu verarbeiten welchen magischen Anblick ich hier geboten bekomme.



Ich bin fasziniert von Salzseen. Ich liebe die Wüste. Schwemmholz und getrocknetes archaisches Holz lösen in mir Endorphin- Überschuss aus. Alle 3 Aspekte bekomme ich hier von Mutter Natur am Silbertablett vereint serviert. Ich bin dankbar, glücklich und gerührt. So fühlt sich womöglich der Spielsüchtige wenn der einarmige Bandit ihm nach Jahren des hoffnungsvollen Wartens 3 gleiche Früchte anzeigt. Und die Münzen wild zu klimpern beginnen. Jackpot! Es wird heiß. Unerträglich heiß. Trockene, heiße Luft. Als würde man mir mit dem Fön leicht ins Gesicht blasen. Bis jetzt wollte ich nichts Künstliches zwischen meinen Fußsohlen und diesem magischen Untergrund tragen. Ab nun verschonen mich meine Laufschuhe vorm inzwischen glühend heißen Sand. Das Aufbrechen vorm Morgengrauen hat sich ausgezahlt und bis jetzt war es erträglich, nun zeigt uns der Namibische Hochsommer seine volle Kraft und unerbärmliche Härte. Benommen stapfen wir im Glückstaumel zurück zu unserem treuen und verlässlichen Vierräder. Mein Lebensakku ist aufgeladen. Ich könnte den Netzstecker abziehen. Doch es geht weiter. Zum Eindrücke verarbeiten 70km durch meine Dünen-Freunde in die Sossouvlei-Lodge, an den Rand der Wüste Namib. Das Pool wirkt surreal und der schattenspendende Baum trägt meine Hängematte gerne. Ober mir nisten zwitschernde Vögel und links hinter mir zupft eine Oryx Antilope an ausgetrockneten Grashalmen. Ihre langen spitzen Hörner wirken bedrohlich, doch sie trägt Güte in ihrem Blick.



Ich baumle und habe Angst dass man mich aufweckt und alles nur ein Traum war. Gottseidank passiert es nicht. Es geht weiter. 20km entfernt nächtigen wir im Le Mirage. Ein entzückendes Schloss mitten im Nichts. Das Burgfräulein heißt Johanna. Mit jedem Namen hätte ich gerechnet, auch damit, dass ich ihn nur schwer verstehen und aussprechen kann. Doch mit Johanna hätte ich nicht gerechnet. Sie ist unsere charmante Gastgeberin und bedient uns liebevoll an diesem feudalen Schloss-Abend mit Blick in den Wüsten-Sonnenuntergang. Johanna ist schwarz wie die hereinbrechende Nacht und mit ein Beweis für die ehemalige deutsche Kolonialisierung von Deutsch Süd West Afrika. 90% Christen, viele deutsche Orts- und Lokalnamen.

Eine junge japanische Dame die zum Sonnenuntergang mit uns eine Quad-Tour durch die Wüste unternommen hat, feiert heute beim gemeinsamen Abendessen ihren Geburtstag. Bevor das leckere Antilopen Steak serviert wird, gehen die Lichter plötzlich aus. Eine Polonaise aus Köchen, Abwäschern und Servierpersonal tanzt singend und trommelnd aus der Küche. Die afrikanische Version des „Happy Birthday“ geht unter die Haut, und wie. Die singenden Gratulanten wirken wie in dunkelschwarzes Samt-Geschenks-Papier verpackte pure Lebensfreude, die an den weißen Öffnungen links und rechts der Nase in die Welt hinausstrahlt. Wenn man oft hört, dass Afrikaner den Rhythmus im Blut haben, dann erleben wir soeben den manifestierten Beweis dafür. Ich bin zutiefst berührt von dieser puren afrikanischen Lebensfreude. Wären wir in einem Film, würd sich's kitschig anmuten. So hat es den Flair einer unvergesslichen afrikanischen Wüstennacht unter dem für mich schönsten Dach der Welt, dem funkeln tausender Sterne wie man sie nur inmitten der Wüste erlebt. Ich inhaliere die schwarze Luft und wünsche mir, dass die Zeit stillsteht und dieser Abend nie vergeht. Eine unvergessliche Nacht. Ein weiteres schönes Tattoo in meiner Seele.

Es geht weiter. Wehmütig verlassen wir diesen orientalisch anmutenden Ort von dem ich bis zum Schluss angenommen hatte, irgendwann würde Aladdin um die Ecke huschen. Er tat es bis zu unserer innigen Verabschiedung von Johanna und dem liebenswerten Hotel Team nicht. 6h Schotterpiste liegen vor uns.



Draußen hat es knapp 40 Grad, im Auto nur minimal darunter. Vorbereitete Playlists matchen sich gegenseitig und wir geben uns erneut der Weite und Einsamkeit dieses Landes hin. Next Stop: Giants Playground nennen sie diesen ganz besonderen Ort, an dem es aussieht als hätten die Riesen gerade eben aufgehört Tetris zu spielen, um nach Hause zum Abendessen zu gehen. Die Sonne neigt sich dem Horizont zu. Tonnenschwere Felsblöcke liegen fein säuberlich übereinandergestapelt. In Stonehenge ist man sich nicht einig wer es war. Hier weiß man es: Mutter Natur. Wann? Man schätzt vor 500 Mio Jahren. „Was ihr schon alles gesehen habt?“ frag ich die Steinformationen. Doch sie machens wie Gentlemen und schweigen vor sich hin.



Wir sind mutterseelenallein. Einmal mehr. Und das, obwohl es organisierten Tourismus in Namibia seit über 30 Jahren gibt. Es fühlt sich an wie ein Land im Dornröschenschlaf. Uns ist es sehr recht, wir genießen es, all diese Naturschönheiten ungestört für uns zu haben. Wir wandern durch das Tetris Land. Um meine Schlangenphobie zu besänftigen klatsche ich vor jedem Fels der eine beherbergen könnte laut in die Hände. Andreas weißt mich liebevoll darauf hin, dass Schlangen nicht hören können. Dennoch beruhigt mich meine Strategie in Anlehnung an das italienische Hupen vor engen Bergserpentinen. Wenig später stehen wir mitten im Köcherbaumwald. Das hier gesprochene Afrikaans ist eine entzückende Sprache, eine Mischung aus Holländisch, Deutsch und Englisch. Den Köcherbaumwald nennen sie „Kokerboom Woud“.



Der Wald wirkt surreal. War es Harry Potter? Oder Frodo im Herr der Ringe als er in solch einem Wald auf sprechende Bäume traf? Egal. Nun sind wir hier. Brokkolibaumwald würde es aus meiner Sicht besser treffen. Die Silhouette dieses ganz besonderen Baumes erfüllt für mich DAS Klischee des afrikanischen Baumes. Erst recht im Gegenlicht der untergehenden Liesl, wie Andreas unsere Sonne liebevoll nennt. Wir haben Glück, wie seit Tagen. Auch im Köcherbaumwald ist weit und breit niemand zu sehen, außer Liesl, und die verabschiedet sich gerade und blinzelt uns vom entfernten Bergmassiv nochmal kurz zu bevor sie bis morgen Früh verschwindet.

Bei ihrer Wiederauferstehung sind wir aufmerksame Zeugen. In unseren Lehnstühlen der Alten Kalkofen Lodge lassen wir uns auf der Nase kitzeln. Die Terrasse zeigt nicht nur Richtung Osten, sondern gibt auch den Blick frei auf die Unberührtheit der sich vor uns erstreckenden Savanne. Sie breitet sich aus und streckt sich in ihrem goldgelben Morgenmantel vor uns aus. Antilopen-Nachwuchs hüpft vergnügt zur Wasserstelle, fast greifbar nahe kommen diese ästhetischen Geschöpfe an uns ran.



Die Lodge geht beinahe über vor liebevollen afrikanischen Accessoires aus Naturmaterialien, manchmal recht funktional als Waschtisch, WC-Papier-Halter oder Duschwand, manchmal einfach nur schön ohne jeglicher Funktion, außer das Auge zu erfreuen. Ein Hauch von Apartheid liegt über der Lodge. Die geschäftstüchtigen Eigentümer sind weiß, die in Kaki-Uniformen gekleideten Bediensteten sind schwarz. Schlürfend und behäbig bewegen sie sich über das Anwesen. Man hat das Gefühl als würden sie die tonnenschwere Last jahrhundertelanger afrikanischer Unterdrückung auf ihren Schultern tragen. Dass sie „Lord oh my Lord“ singen stelle ich mir vor. In Wirklichkeit schweigen sie. Außer wenn ich sie mit einem freundlichen „Good Morning“ begrüße. Dann heben sich ihre Lippen, weiße Zähne blitzen dazwischen hervor und sie grüßen freundlich zurück.

Bis hierher waren es meist ebene Schotterpisten die sich ihren Weg wie graue Flüsse in die Landschaft gegraben haben. Die nächsten 90km kämpfen wir uns tatsächlich Meter für Meter vorwärts. Teilweise in Schrittgeschwindigkeit kraxelt unser Toyota Fortuner über Stock, Stein und Fels. Ursprünglich wollten wir die Günstigstvariante VW Polo buchen. „Bloß nicht!“ krätschte meine liebe Namibia-erfahrende Cousine im letzten Moment noch dazwischen. „Allrad ist Minimum und Bodenfreiheit ohnehin ein Muss.“ Nur 5.000km der 37.000km „Straßen“-Netz in Namibia sind asphaltiert, der Rest Schotterpiste. Gegen das was uns heute erwartet, sind Schotterpisten Autobahnen. Wir philosophieren was aus dem VW Polo geworden wäre, wenn wir ihm die selben Straßen angetan hätten wie unserem Glücksengel Fortuner. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir nach über 3.000km Fahrt in Kapstadt nur mehr Lenkrad und Zündschlüssel zurückgeben hätten können. Vielleicht hätten wir dann die Rück-Überstellungsgebühr nach Windhoek zum Ursprungsort nicht zahlen müssen... Egal, wir sind froh über unseren höchst komfortablen und zuverlässigen Untersatz. Er lässt uns in der glühenden Mittagshitze vor der Fish River Lodge aussteigen. Zu diesem Zeitpunkt glaube ich die Highlights der Reise liegen bereits hinter uns und es kann nicht mehr schöner werden. Weit gefehlt. Mir fehlen die Worte. Canyon, wie der Grand Canyon...nur schöner... Abrisskante in den Canyon... genau davor smaragdgrünes einladendes Canyon-Infinity-Pool.



Äußerst geschmackvolle afrikanische Häuschen entlang der Abrisskante. Terrasse mit Blick in die unendliche Weite und den Canyon. Ich zwicke mich erneut um herauszufinden ob dieser Moment echt ist – er ist echt, auch wenn er sich nicht so anfühlt. Meine Hängematte begleitet mich seit vielen Jahren auf all meinen Reisen. So majestätisch wie hier hing sie noch nie, den Blick in den Canyon preisgebend. Kein Millimeter im Blickfeld zeugt von menschlicher Zivilisation oder ihrer Spuren. Natur pur, so wie sie seit Millionen von Jahren hier königlich residiert.

Der Wind nimmt zu, Abendessen im Freien ein Ding der Unmöglichkeit, die Wahrscheinlichkeit, dass uns die orkanartigen Böen in den Canyon wehen wäre zu groß. In der Nacht hoffen wir, dass unser Bungalow gut mit dem Betonfundament verbunden ist. Erst jetzt verstehen wir warum die fürsorgliche Dame an der Rezeption uns beim Checkin Oropax fast feierlich und mit einem auffallend breiten Grinsen überreicht hat mit den Worten: „For the night!“ Der Wind heult wie ein Rudel hungriger Wölfe und rüttelt an Fenstern und Türen.

Die Morgenwanderung am Canyon Krater samt Sonnenaufgang ist weit mehr als eine Entschädigung für eine beinahe schlaflose Nacht. Es geht weiter. Über 400km Schotterpiste liegen vor uns. Asphalt haben wir schon lange keinen mehr gesehen. Google Maps lässt uns nach 2h Fahrt auf eine Seitenpiste einbiegen die mir nicht ganz geheuer scheint. Wir stoßen auf ein ausgetrocknetes Flussbett und steigen aus um zu besichtigen ob unser Toyota das schaffen könnte und wir es ihm antun sollen? Wir tun es ihm an und die japanische Kletterkatze schafft die Herausforderung. Was macht mich so mulmig? Immer öfter drehen wir im sandigen Untergrund durch, den letzten Gegenverkehr auf der Hauptpiste hatten wir vor 1,5h, draußen hat es knapp 40 Grad und im Auto nur noch 2l Wasser für 2 durstige Fahrer. An Handyempfang ist wie meist in Namibia nicht zu denken und es gibt keine Reifenspuren im Sand vor uns. Ich bin in einem iranischen Salzsee schon einmal beinahe verdorrt, mein Unterbewusstsein schubst die Erinnerungen an damals ins Bewusstsein. Der Weg sieht verwachsen aus und oft wissen wir gar nicht mehr ob es noch ein Weg ist. Verwachsen wie Zuggleise die zur Kolonialzeit das letzte Mal verwendet wurden. Ein Zaun mit Schloss gibt uns Gewissheit, dead end, kein Weiterkommen. Wir wenden und ich bin erleichtert. Zwar großer Umweg, dafür safe. Oder doch nicht? 2h später Polizeikontrolle im Wüsten-Nirgendwo. Meine afrikanisch korrupten Polizei Klischees schießen mir durch den Kopf. Wie locker sitzt seine Waffe? Wieviel wird’s uns kosten? Nichts von all dem. Wir müssen zwar jede Lade des Autos und jeden Zip des Gepäcks öffnen, doch wir werden stets freundlich, fast schon humorvoll behandelt. Nach dem „Have a save journey!“ des Beamten cruisen wir die kupierte Schotterpiste entlang des Orange Rivers. Süd Afrika ist inzwischen nur mehr einen Steinwurf entfernt, auf der anderen Seit des Flusses um genau zu sein. Der Fluss schlängelt sich wie eine grüne Lebensader durch die unwirtliche karge Wüstenlandschaft. Ein paar hundert Meter breit und über 2.000km lang erstreckt sich dieses Band an fruchtbarem Boden durch den Kontinent. So ähnlich stelle ich mir den Nil vor. Der Orange River könnte sein kleiner Bruder sein. Mit Chiwoniso’s westafrikanischen Klängen im Ohr cruisen wir beschwingt von den Eindrücken dem Flussufer entlang.



Ich bin verliebt. Verliebt in das Gefühl, dass all diese bezaubernden Plätze mit ihren ehrlichen zutiefst freundlichen und zurückhaltenden Menschen in mir auslösen. Ich habe rüdes und hartes Afrika erwartet. Gestoßen bin ich auf Sanftmut. Die Mentalität hier birgt nichts marktschreierisches Aufdringliches in sich. Sie ist bescheiden, zurückhaltend und hilfsbereit. Brutalität und Härte im Umgang wurden aus meinen Namibia-Vorstellungen gelöscht und ersetzt durch Einfühlsamkeit und Sanftmut. Gleichzeitig Bestimmtheit. Und Zurückhaltung. Kein asiatisches Heischen nach Trinkgeld, kein osteuropäisches Show Off Spiel und schon gar kein Trumpsches fingerzeigendes Anklärgertum. Sondern Sanftmut, Humor und Schönheit. So wie der Klang des Wortes Namibia. Den ich schon seit Jahren mochte ohne das Land noch gekannt zu haben, nun weiß ich warum.

Als ich vor 11 Jahren in Kapstadt gelandet bin war ich verblüfft. In meinen inneren Bildern hatte ich mir runde Lehmhäuschen mit Strohspitz ausgemalt. Und schwarze Frauen tragen singend in bunten und glitzernden Wallegewändern das Wasser in Tonkrügen auf dem Kopf durch die Savanne. Weit gefehlt. Kapstadt ist hoch entwickelt. Es fühlt sich für mich fast an wie Wien, mit einem Unterschied: Wien hat die U-Bahn, Kapstadt das Meer. Einen Tausch fände ich nett.

Und es gibt sie doch, die Damen im Wallegewand mit dem Tonkrug am Kopf, genauso wie es Mozart in Wien gibt, vor dem Stephansdom mit Konzertkarten in der Hand. Die Damen mit Tonkrug am Kopf verkaufen afrikanische Gesichtsbemalungen, dafür legen sie dann den Krug doch ab.

„Wenn du dieses Afrika-Klischee suchst, dann bist du in Namibia sehr viel besser aufgehoben“ hat man mir damals geraten.

Gleich nach meiner Rückkehr damals vor 11 Jahren besorgte ich mir einen Namibia-Reiseführer, der dann jahrelang im Bücherregal verstaubte. Bis ich ihn einpackte und er mit auf diese Reise ging. Und mir im Flugzeug Richtung Süd-West-Afrika so einiges erzählte...von der deutschen Kolonialzeit, den Kriegen, dem vergossenen Blut, der Weite und der Schönheit des Landes. Ich war neugierig. Nun weiß ich: Der Ratschlag stimmte!


Wir beziehen unseren Bungalow in den Felix Unite Cabanas. Ein Cuvee aus Jugendherberge, Kanutrainingslager, Aussteiger Hot Spot und Lebensgenießern. Wir fühlen uns pudelwohl, good Vibrations all around.




Dieser Trip fühlt sich an wie eine Reise durchs Schlaraffenland der Sinne. Warme Luft strömt Dank des ständigen Begleiters Wind fast permanent über die Haut, das ausgetrocknete Gras und die darin vorkommenden Gewürze steigen uns immer wieder in die Nase, unsere Augen werden ständig mit ästhetischen Meisterwerken wie sie nur die Natur schaffen kann verwöhnt und wir empfinden diese Zeit hier als Seelenbalsam.

Es geht weiter. Ab in den kühleren Süden. Klingt komisch, doch wenn man auf der Südhalbkugel lebt ist es ganz normal.

Mit der Brücke über den Orange River und der damit verbundenen Schnitzeljagd der Behörden übertreten wir offiziell zwar nur die Grenze von Namibia nach Süd Afrika, doch es fühlt sich an wie das Übertreten der Schwelle aus dem Feenland in die Realität. Wir übertreten die Schwelle zurück zur Zivilisation. Es kommt mir vor als wäre ein magisches Band durchtrennt worden. Die Straßen sind wieder asphaltiert und es gibt Gegenverkehr. Telegraphenmasten und Stromleitungen säumen plötzlich wieder den Straßenrand und bilden Trennlinien beim Blick in die Landschaft. Wir müssen bei Gegenverkehr die Fenster nicht mehr schließen und beim Stehenbleiben mit dem Aussteigen nicht mehr warten bis die Staubwolke um uns sich aufgelöst hat. Wir bunkern nicht mehr bei jeder Tankstelle Diesel und Wasser um im Notfall gut ausgerüstet zu sein. Ich mag Süd Afrika, genauso wie ich es vor 11 Jahren schon mochte. Den Zauber Namibia’s haben wir im Rückspiegel.

Woher die Wüstenameise ihr Wasser nimmt weiß ich nach wie vor nicht. Auch nicht warum Namibia nach so vielen Jahren des Friedens noch immer im Dornröschen Schlaf liegt, doch ich bin heilfroh darüber. Mein Herz pumpert nach wie vor heiter in meinem Brustkorb und meine Seele hat neue und hübsche afrikanische Tattoos. Unser treuer Freund Toyota Fortuner ist am Rückweg um sich am Flughafen von Windhoek neben seine kleinen Freunde, die Polos, zu stellen, um ihnen von der weiten holprigen Welt zu erzählen, die sie nie mit eigenen Scheinwerfern sehen werden. Obendrein bin ich glücklich & dankbar. Namibia lebt in mir weiter. Mein Lebenstank ist wieder voll. Danke Namibia!

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