EINBLICKE

In mein Leben. In mich.

  • Klaus

Lieber Freund Lago!

Du bist der Flecken Erde, an dem sich alpine Optik mit mediterranem Lebensgefühl trifft. Die Fusion aus karstigen Bergspitzen, oft bis in den Frühsommer mit Schnee bedeckt, vereint mit Zypressen und Zitronen-Heinen.




Die Karabiner der Klettergurte klicken entlang der fordernden Steige, die zahlreichen hippen Sportgeschäfte sind opulent gefüllt mit buntesten Surfboards und die Promenade von Torbole nach Riva gleicht einem Catwalk der feschsten Mountainbikes. Ich liebe diesen Way of Living hier. Die Sportlichkeit des Tages lehnt sich am Abend an den Mast des Dolce Farniente, für einige auch schon untertags.


Die Speisekarte macht Lust auf Bergspeck genauso wie auf den Branzino in der Salzkruste. Im Gepäck habe ich die Haube für die windige Bergtour gleich neben Hängematte und Badehose gelegt, oben drauf den Rest der 30er Sonnencreme. Alles hat hier seine Berechtigung. Es lebe die Vielseitigkeit.


Als die Serpentinenstraße den Blick auf den Lago freigibt gehen Autofenster und Herz auf. Es ist wieder soweit. Zeit für diesen wundervollen Mix aus Bienenhaushektik gepaart mit kontemplativem Baumeln in der Hängematte zwischen zwei knorrigen Olivenbäumen, den Blick diffus in die Gegend auf Steinhäuser, Zypressen, Olivenbäume und einige andere optische Leckerbissen gerichtet.




Die romanische Brücke über die Sarca lässt in mir das Gefühl hochsteigen, Don Camillo und Peppone würden jede Sekunde darüber spazieren. Doch die sind etwas weiter südlich beheimatet, in einem kleinen Vorort von Verona. Apropos Verona. Wer die Natur des Lagos schätzt darf die Kultur von Verona nicht missen. Eine Nacht in der Arena Verona ist eine unbezahlbare Erinnerung, und das für 25,- Euro auf den tagsüber aufgeheizten Steintreppen im oberen Bereich inklusive atemberaubender Sicht. Auch wenn Carmen im 4. Akt erdolcht wird, so verzaubern uns ihre Kolleginnen und Kollegen 3 Stunden lang davor. Die antiken Steine des Amphitheaters werden vom Abendrot anfangs noch in ein kräftiges Goldgelb getaucht, bevor die hereinbrechende Sommernacht dem Jahrhunderte alten Oval nach und nach stetig seinen dunklen Anstrich verleiht.





Erst um 2h morgens aus Verona heimgekehrt, der Campingplatz bereits geschlossen, da bleibt nur das Spannen der Hängematte im Olivenhein. Und das in DER Sternschnuppen-Nacht dieses Sommers. Es klingt wie ein Traum. Es fühlt sich auch so an, wenn die Kometen zwischen den Olivenzweigen durchleuchten. Die Welt steht still. Der Himmel funkelt und blitzt von Zeit zu Zeit auf.



Meine organische und behutsame Entwicklung als Mountainbike-Liebhaber manifestierte sich genau hier, am Fusionspunkt der Alpen mit der Poebene. Vom 20-jährigen Rookie ohne Verpflegung im Baumwollshirt am Sonderangebots-Alu-Rad die Dreitausender erklommen, bis zum Mountainbike-Veteran auf seiner heiligen Carbon-Kuh, den professionelle Rennen bis Südafrika gebracht haben. Hier hats begonnen. Die Faszination. Und das Feuer der Leidenschaft wird bei jedem Lago-Besuch aufs Neue angeheizt.


Die Promenade von Torbole nach Riva trägt nach wie vor Radler, Läufer und Fußgeher auf ihrem Rücken. Entlang dieser Wohlfühllinie wird geplantscht, kartengespielt, geturnt, eisgeschleckt, geküsst, gekreischt, gelacht, gelesen und Vieles mehr.

Die Bergstraße Ponale führt uns durchs Bergmassiv zum kleinen Bruder, zum Lago die Ledro.

Es wird merklich kühler und der Himmel öffnet seine Schleusen, Regen, für gewöhnlich ein Ärgernis in der Mountainbikeszene, in diesem Tropensommer eine willkommene erfrischende Abwechslung. Unsere Fahrt fühlt sich an wie eine spirituelle Pilgerfahrt, jeder ist bei sich, wir bezwingen die Höhenmeter und spüren den Regen durchs Trikot, durch den Helm und ab und zu einen Tropfen an der Nasenspitze herunterkullern.



Zurück zum Campingplatz und ab unter die wohlverdiente warme Dusche. Wieder Wassertropfen, viele davon, und nicht nur an der Nasenspitze. Ich mag das Campingplatzleben. Es erdet. Mich und wie es scheint viele andere hier.

Der Regen sagt Adieu. Ich gehe über in der Abendsonne schimmerndes Kopfsteinpflaster durch die engen Gassen und genieße den Mix aus Pizza & Aperol, aus deutsch & italienisch, aus alpenländischem Brauchtum und mediterranem mondänem Lebensgefühl. Der Nachmittagswind hat dem Abendlüftchen Platz gemacht. Ich nähere mich dem Ufer, stapfe durch den tiefen Schotter und gehe auf dich zu. Hallo mein guter Freund, lange nicht mehr gesehen, schön dich wiederzusehen. Das war vor 5 Tagen. Heute heisst es Abschied nehmen. Für immer? Nein, sondern bis zum nächsten Mal. Pass auf dich auf mein treuer schöner Freund! Ich freu mich auf unser Wiedersehen!



145 Ansichten
MELD' DICH EINFACH

© 2017 Naturcoach.at

Klaus Rafenstein, MBA

Rudolf Nurejew Promenade 9/23/10, 1220 Wien

+43 676 55 78 037 | klaus@naturcoach.at

Impressum & Datenschutzerklärung

  • Facebook

Nutze das Formular oder schreib mir eine Mail an klaus@naturcoach.at

Dir ist Facebook lieber? Dann besuch' mich dort.

Ich freu mich von dir zu hören!